Ein Sof

Awoda

בִּיטּוּל

Das Ende metaphysischer Selbstgenügsamkeit

Bittul löscht das Selbst nicht aus. Es nimmt die Illusion fort, das Selbst sei seine eigene Quelle.

Kein geringes Selbstwertgefühl

Chassidische Entwicklung

Bittul wird regelmäßig als Selbstauslöschung übersetzt und dann als Empfehlung der Wertlosigkeit gehört. Das ist ein schwerwiegendes Missverständnis, und die Quellen halten die Korrektur sogleich bereit.

Mosche wird als der demütigste aller Menschen beschrieben, und er ist zugleich derjenige, der mit G-tt streitet, ein Volk führt, die Tafeln zerbricht und das Angebot ausschlägt, selbst zu einem großen Volk gemacht zu werden. Was Bittul auch sei, es verträgt sich mit gewaltiger Handlungskraft.

Was Bittul aufhebt, ist weder Vermögen noch Zuversicht noch Selbst. Es ist der Anspruch, seinen Ursprung in sich selbst zu haben — die meist ungeprüfte Annahme, das eigene Dasein, die eigenen Gaben und das eigene Fortbestehen seien Besitz.

Bittul löscht das Selbst nicht aus. Es nimmt die Illusion fort, das Selbst sei seine eigene Quelle.

Abhängigkeit und Handlungskraft

Chassidische Entwicklung

Zu erkennen, dass man sein eigenes Dasein nicht hervorbringt, steigert die Handlungskraft, statt sie zu mindern. Wer glaubt, seine eigene Quelle zu sein, muss diese Position verteidigen, und das meiste, was wie Ego aussieht, ist diese Verteidigung.

Wer aufgehört hat, sie zu verteidigen, kann handeln. Darum verbindet die Überlieferung Bittul mit Klarheit: nicht das Verschwinden des Selbst, sondern das Verschwinden des Lärms, den Selbstrechtfertigung erzeugt.

Verantwortung folgt in dieser Lesart aus der Abhängigkeit. Gerade weil nichts hier von Ursprung her mein ist, kommt es darauf an, was ich damit tue.

Die Fälschung

Chawa-Kadmona-Perspektive

Der auf dieser Website verwendete Rahmen behandelt die zweite Ausrichtung — Empfangen, Innerlichkeit, Verkörperung, die Achtung dessen, was im Innern ist — als vollwertigen Partner der ersten. Diese Lesart hat einen bestimmten Modus des Scheiterns, und er muss klar benannt und nicht stillschweigend übergangen werden.

Malchut ist die Station des Empfangens und des Wohnens, und ihre bestimmende Wahrheit lautet לֵית לָהּ מִגַּרְמָהּ כְּלוּם — sie hat nichts von sich selbst. Nimm das fort, und es bleibt ein Selbst, das von nichts über sich empfängt und keinem über sich verantwortlich ist. Die Quellen haben ein Wort für ein System, in dem jedes Gefäß sich selbst Quelle ist: תֹּהוּ.

Malchut ohne Bittul wird Tohu. Innere Wahrheit wird Selbstanbetung, wenn nichts über dem Selbst bleibt.