Ein Sof

Der Zweck

דִּירָה בַּתַּחְתּוֹנִים

Warum das Unendliche den niedrigsten Ort begehrt

Das Unendliche verlangt vom Endlichen nicht zu verschwinden. Es verlangt vom Endlichen, für seine Quelle durchlässig zu werden.

Die Lehre

Klassische Quelle

נִתְאַוָּה הַקָּדוֹשׁ בָּרוּךְ הוּא לִהְיוֹת לוֹ יִתְבָּרֵךְ דִּירָה בַּתַּחְתּוֹנִים

Der Heilige, gepriesen sei Er, begehrte eine Wohnung in den unteren Bereichen.

Midrasch Tanchuma, Nasso 16; zitiert im Tanja, Kap. 36
Klassische QuelleDer Tanja nimmt diese midraschische Aussage als Zweck der gesamten Schöpfungsordnung und liest den Abstieg durch die Welten als Annäherung an ihn.

Der Midrasch überliefert, dass der Heilige eine דִּירָה בַּתַּחְתּוֹנִים begehrte — eine Wohnung in den unteren Bereichen. Der Tanja macht in Kapitel 36 aus dieser knappen Aussage den Zweck der Schöpfung im Ganzen.

Das Wort דִּירָה leistet Genaues. Eine Wohnung ist kein Besuch, keine Erscheinung, keine Kundgabe. Sie ist der Ort, an dem jemand lebt. Und das Wort תַּחְתּוֹנִים leistet ebenso Genaues: nicht die höheren Bereiche, nicht die geistigen Welten, sondern die untersten — diese hier.

Alles in der Kosmologie ordnet sich um diesen Anspruch neu. Der Abstieg durch die Welten ist kein umzukehrender Niedergang. Er ist die Annäherung an ein Ziel.

Warum nicht die höheren Welten

Chassidische Entwicklung

Die geistigen Welten sind offenbarter, verfeinerter und durchlässiger für göttliches Licht. Es liegt nahe anzunehmen, sie seien deshalb dem Zweck näher, und die Quellen sagen klar, dass sie es nicht sind.

Der angeführte Grund ist genau. Die höheren Welten offenbaren Licht, und Licht ist nicht Wesen. Eine Welt, die göttliches Licht klar wahrnimmt, empfängt etwas Großartiges, aber sie empfängt eine Offenbarung — und Offenbarung ist stets bemessen, stets abgestuft, stets eine Sache von Mehr und Weniger.

Azmut ist durch geistige Hierarchie nicht eingeschränkt, denn Azmut geht der Unterscheidung von unendlich und endlich voraus. Das Wesen ist daher in einer verfeinerten Welt nicht verfügbarer als in einer undurchsichtigen. Und was das Wesen angeht, hat die undurchsichtige Welt etwas, das die verfeinerte nicht hat: sie ist der Ort, an dem Gefundenwerden keine Sache des Grades ist.

Eine Wohnung, errichtet hier — in der einen Region, die plausibel Eigenständigkeit beanspruchen könnte —, erweist, dass nichts eigenständig ist.

Verhüllung und Materie

Chassidische Entwicklung

Physis verhüllt. Das ist ihre bestimmende Eigenschaft in dieser Literatur: Materie gibt sich als selbstgenügsam und bietet keinerlei Zeugnis ihrer Quelle.

Und genau das qualifiziert sie. Eine Wohnung, errichtet an einem Ort, der das Göttliche bereits zeigte, würde über das Göttliche nichts erweisen, was der Ort nicht schon zeigte. Eine Wohnung, errichtet hier — in der einen Region, die plausibel Eigenständigkeit beanspruchen könnte —, erweist, dass nichts eigenständig ist.

Daher die Mizwot, und daher ihre hartnäckige Physis. Leder wird Tefillin. Pergament wird Mesusa. Brot wird Teil einer Mizwa-Mahlzeit. Geld wird Zedaka. Ein Zuhause wird ein מִקְדָּשׁ מְעַט, ein kleines Heiligtum.

In keinem dieser Fälle verschwindet das Material. Das ist die ganze Leistung.

Leder wird Tefillin.

Pergament wird Mesusa.

Brot wird Teil einer Mizwa-Mahlzeit.

Geld wird Zedaka.

Ein Zuhause wird Mikdasch Me'at.

Redaktionelle Visualisierung. Kein Himmel — ein Zimmer. Ein Tisch, zwei Kerzen, Wein, Challa unter einem Tuch, Bücher dahinter. Menschen sind nicht nötig.

Das Unendliche verlangt vom Endlichen nicht zu verschwinden. Es verlangt vom Endlichen, für seine Quelle durchlässig zu werden.